Interview mit Barbara Welter-Böller

Interview mit Barbara Welter-Böller

Liebe Frau Welter-Böller, vielen Dank für Ihre Zeit, unsere Fragen zu beantworten.

Frau Welter-Böller,

in ihrer Fachschule für Pferde und Hunde, die sie 1997 gegründet haben, verbinden Sie Osteopathie, Naturheilkunde und Akupunktur.

Was hat Sie bewogen, diese Behandlungswege zu gehen und hier ihren Schwerpunkt zu setzen?

Man kann in der Tierbehandlung nicht genug Kompetenz erwerben. Da das Tier keine Rückmeldung geben kann, ist seine Behandlung mit größtem Wissen und größter Verantwortung durchzuführen.

Osteopathie, Naturheilkunde und Akupunktur ergänzen sich in einem hervorragenden Maße, um gestörte Funktionen wieder ins Gleichgewicht zu bekommen.

Was unterscheidet Sie von anderen Schulen?

Jede Schule hat ihren eigenen Geist, ihr eigenes Verständnis von Behandlungswegen. Der Auszubildende muss das Angebot daraufhin prüfen, ob dieser Geist zu ihm passt. Ich lege sehr viel Wert auf die praktische Unterrichtung. Wir haben in der Osteopathie einen 60%igen Praxisanteil und auch in den anderen Bereichen haben wir durch insgesamt 70 Pferde, viele Hunde sowie zusätzliche Fallbeispiele gute Trainingsmöglichkeiten.

Was bedeutet nach „Welter-Böller“?

Osteopathie war mir zu wenig, Physiotherapie auch. Nehmen wir als Beispiel das Pferd:

Es wird nicht krank, wenn es auf der Weide steht, sondern durch seine Nutzung im Reitsport. So muss ich um die Nutzung wissen. Also wird Biomechanik der Reitlehre, Trainingsmöglichkeiten und Trainingstherapie unterrichtet. Auch das gesamte Management, ob Hufpflege, Sattel oder Fütterung, muss mit einbezogen werden, um ein gesundes und leistungsstarkes Pferd zu erhalten.

Bei den Hunden brauchen wir das Wissen über den Hundesport und die Aufgaben, die ein Hund in der Hundeschule leistet.

Nur so kann ich das gesamte System um Pferd und Hund begreifen und positiv beeinflussen.

Man hat den Eindruck das im tier-therapeutischen Bereich der Einsatz von Geräten einen Schwerpunkt bildet. Was halten Sie davon?

Ich habe nichts gegen den Einsatz von Geräten, wenn, nach einer gründlichen Befundung, die Indikation entsprechend ist. Ich halte die manuelle Therapie aber durch das, was die Therapeutenhand fühlen, tasten, erfahren und vor allem geben kann, für unerreichbar.

Der unkontrollierte Einsatz von Geräten, weil vorhanden, kann Schaden anrichten. So ist es nach einer vorderen Kreuzbandoperation beim Hund absolut kontraindiziert ihn auf dem Laufband oder Aquatrainer aufzutrainieren. Er wird in diesem Fall nur mit den Kniestreckern arbeiten, deren Aktion wird aber immer Stress durch das Ziehen in die vordere Schublade auf das operierte Band geben.
Bei einer hinteren Kreuzbandoperation ist diese Therapie ideal.

In Ihrem neuem Buch ist die Faszientherapie für Pferde der Schwerpunkt.
Wie lange hat es gebraucht, dieses Buch zu schreiben? Was war ihre Gründe zu diesem Buch?

Ich habe ungefähr zwei Jahre vorher begonnen, mich mit der Faszienbehandlung auseinanderzusetzen. Ihre Erfolge haben mich überzeugt. Der Grund dieses Buch zu schreiben, war eine Hommage an den Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still, der schon 1893 formulierte:

„Die Rolle, welche die Faszien im Leben und Tod spielen, konfrontiert uns mit einer der größten Probleme, die es zu lösen gilt.“ A.T. Still, 1899

Für ihn lebte die Seele der Wesen in diesem Gewebe. So war es mir wichtig, den respektvollen, sensiblen und würdigenden Umgang mit diesem Gewebe und den daraus erfolgenden großartigen Ergebnissen darzustellen.

Es gibt leider Therapieformen, die Faszien mechanistisch und schmerzhaft behandeln. Davon wollte ich mich abheben.

Sie habe gemeinsam mit Ihrem Neffen Dr. Max Weller an diesem Buch gearbeitet. Wie war diese Zusammenarbeit? Gab es hier einen gemeinsamen Arbeitsprozess?

Mein Neffe ist Tierarzt und nahm schon vor und während seiner Studienzeit in Hannover an meinen Ausbildungen teil. So infizierte ihn der osteopathische Gedanke. Er arbeitet in meiner Fachschule als Dozent für Anatomie und Pathologie und steht mir beratend zur Seite.

Fachschule für osteopathische Pferdetherapie
Barbara Welter-Böller
Hufenstuhl 7
D-51491 Overath

Telefon +49 (0) 2206 – 85 83 46
E-Mail info@welter-boeller.de
www.welter-boeller.de

© CarePet, Stefanie Spang – 2016

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